Thomas
Zwilling — einer, der einen Doppelgänger hat; oder die andere Seite desselben.
Etymologie & Herkunft
Thomas leitet sich vom aramäischen תָּאוֹמָא (Ta'oma') ab, das „Zwilling“ bedeutet. Aramäisch war im ersten Jahrhundert die alltägliche Sprache Palästinas, und der Name erscheint im Neuen Testament sowohl als „Thomas“ (das latinisierte Aramäisch) als auch in der griechischen Form Didymos — die ebenfalls „Zwilling“ bedeutet. Der Apostel Thomas trägt also in beiden Sprachen den Namen „Zwilling“: Das Johannesevangelium nennt ihn gelegentlich „Thomas, der Didymus genannt wird“.
Thomas erscheint im Neuen Testament vor allem im Johannesevangelium, am denkwürdigsten in jener Episode, die zum Sprichwort vom „ungläubigen Thomas“ führte: seine Weigerung, an die Auferstehung zu glauben, bis er die Wunden Christi berühren konnte, gefolgt von seinem Bekenntnis nach der Berührung. Diese Verbindung von rationalem Zweifel, der sich in Glauben auflöst, verlieh dem Namen in der christlichen Tradition einen besonderen intellektuellen Charakter.
Kulturelle Geschichte
Thomas wurde im mittelalterlichen Europa über zwei Hauptkanäle zu einem der am weitesten verbreiteten Namen: durch die Verehrung des Apostels und durch den explosionsartigen Kult um den heiligen Thomas Becket (1118–1170), Erzbischof von Canterbury, dessen Ermordung in seiner eigenen Kathedrale durch Ritter König Heinrichs II. ihn auf der Stelle zum Märtyrer machte und seinen Schrein in Canterbury für drei Jahrhunderte zum beliebtesten Wallfahrtsort Englands.
In England zählte Thomas von der Normannischen Eroberung bis in die frühe Neuzeit zu den drei häufigsten Männernamen. Im Großbritannien des zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahrhunderts hielt er sich überwiegend in den Top Ten und ist im deutschsprachigen Raum eng mit ruhiger Solidität und intellektuellem Ernst verbunden.
Varianten & Verwandte Namen
Schreibweisen & internationale Formen
Verwandte Namen
Berühmte Personen mit dem Namen Thomas
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Thomas Becket Erzbischof von Canterbury (1118–1170), in der Kathedrale von Canterbury ermordet; sein Schrein wurde zum meistbesuchten Wallfahrtsort des mittelalterlichen Englands.
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Thomas Edison Amerikanischer Erfinder (1847–1931), Inhaber von 1.093 US-Patenten, darunter der Phonograph und die praxistaugliche Glühbirne.
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Thomas Mann Deutscher Romancier (1875–1955), Nobelpreisträger und Verfasser von Buddenbrooks, Der Zauberberg und Der Tod in Venedig.
Wusstest du schon?
Geoffrey Chaucers Canterbury Tales (ca. 1387–1400) — eines der Fundamente der englischen Literatur — wurden als Rahmenerzählung um die Pilgerfahrt zum Schrein des Thomas Becket in Canterbury herum geschrieben, was den Namen Thomas zur indirekten Inspiration eines der einflussreichsten Werke der englischen Literaturgeschichte macht.